Asbest – was ist zu tun?

Was ist Asbest? Wie gefährlich ist der Baustoff? Wie gehe ich vor, wenn Asbest in meinem Eigenheim verdächtigt wird? 

 

Diese Fragen beantworten wir in diesem Bericht.

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Viele Eigenheimbesitzer wissen nicht um die Gefahr, die in ihrem Zuhause ruhen vermag. Zwar ist Asbest in seiner Ursprungsform noch nicht gefährlich, sobald die Fasern aufgespalten oder beschädigt werden jedoch schon. Wir klären Sie über den oft unterschätzten Baustoff auf und informieren Sie über mögliche Folgen und Schäden.

 

Was ist Asbest?

Asbest ist ein Baustoff, der bis ins Jahr 1992 in der Schweiz verbaut werden durfte. Der aus Silikat-Mineralien bestehende Faser ist extrem hitze-, feuer- und Säurebeständig und weist einen hervorragenden Dämm- und Schallschutz auf. Erst später wurde entdeckt, dass dies in zahlreichen Baumaterialien verwendete Mineral verheerende Folgen für den Menschen hat.

 

Die faserige Struktur ist viel feiner als menschliches Haar und weist eine graue, grau-grüne, grau-blaue oder grau-braune Farbe auf. Die Faser ist geruchsneutral, von blossem Auge nicht zu sehen und deshalb nur sehr schwer zu erkennen. Wir unterscheiden zwischen festgebundenes, schwachgebundenes und reines Asbest.

 

Festgebundenes Asbest weist eine hohe Elastizität auf und wird nur bei mechanischer Bearbeitung wie fräsen, bohren, brechen und schrauben freigesetzt. Diese Art von Asbest stellt, solange die Baumaterialien nicht bearbeitet werden, keine gesundheitlichen Risiken dar. Der Asbestanteil liegt bei diesen Materialien bei 40 bis 45 %. Vorgefunden wir diese Art von Schadstoffen meist auf Dächern, Gebäudefassaden, Wandverputz, Blumenkästen und Eternitplatten beim Velounterstand.


Bei schwachgebundenen Asbestfasern sieht das anders aus. Der Anteil an Asbest liegt bei über 60 %. Diese sind sehr gefährlich und führen schon bei kleinen Abnutzungen zu einer sehr hohen Faserkonzentration in der Luft. Diese Art von Asbest kommt unter anderem bei Bodenbelägen, in der kartonartigen Schicht von Vinylböden, bei Isolationen von Heizungsrohren, bei Dichtungs- und Filtermaterial, bei Elektroinstallationen, bei Leichtbauplatten und bei vielen Gipsen und Putzen vor.


Reines Asbest wird meist in Form von Schnüren (Dichtungsschnüren), Zöpfen und Brandschutzkissen angetroffen.

 

Ist Asbest gefährlich?

Asbest ist erst gefährlich, wenn die freigesetzten Fasern als Feinstaub eingeatmet werden. Asbestfasern sind von blossem Auge nicht zu erkennen und können so unbemerkt in die Atemwege gelangen. Sind diese erstmals tief in der Lunge festgesetzt, kann der Körper diese kaum abbauen oder ausscheiden. Dies verursacht dauerhafte Reizungen in der Lunge und der Atemwegsorgane. Bereits ein einmaliger, kurzer Kontakt mit den Fasern kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen.

 

Häufige Folgekrankheit von Asbest sind Asbestose (eine sogenannte Asbeststaublunge), Krebserkrankungen (bspw. Lungenkrebs) und bösartige Tumore des Brust- und Bauchfells. Eine Erkrankung endet selten tödlich aber in den meisten Fällen sehr beschwerlich. Das Risiko an einer Folgekrankheit zu leiden, steigt mit der Dauer der Belastung und der Intensität. Die Latenzzeit (Zeitpunkt bis erste Beschwerden, Symptome oder Folgekrankheiten ausbrechen) beträgt oft zwischen 15 bis 45 Jahre.

 

Verdacht auf Asbest – wie vorgehen?

Bei eigenständigen Arbeiten im Eigenheim können unwissentlich leicht asbesthaltige Fasern freigesetzt werden. Sobald ein Verdacht auf asbesthaltiges Material besteht und dies bei einer allfälligen Bearbeitung eine Gefährdung darstellt, ist zu empfehlen, das Material dringend unter den geltenden Schutzvorkehrungen zu Untersuchen.

 

Bei der Entnahme von Probematerial ist höchste Vorsicht geboten, denn es können auch hier Asbestfasern freigesetzt werden. Das Engagieren eines zertifizierten Experte ist die bessere Wahl als in Eigenregie zu agieren. Dieser kann nämlich viel besser einschätzen, welche Proben entnommen werden müssen, wo asbesthaltiges Material zu erwarten ist und welche Risiken davon ausgehen. Ebenfalls hat er eine fundierte Ausbildung, Fachwissen und Erfahrung wie das Material korrekt entnommen, verpackt und zur Untersuchung ins Labor geschickt werden muss. Die Ergebnisse liegen meist bereits nach 2 bis 4 Tagen vor. Wird der Verdacht auf belastete Bausubstanz vom Labor bestätigt, wird abgeklärt, ob eine Sanierung erforderlich ist.

 

Entsprechende Sanierungs- und Entsorgungsarbeiten dürfen anschliessend nur vom Fachmann mit der richtigen Schutzausrüstung und den entsprechenden Geräten ausgeführt werden. Das belastete Baumaterial muss fachgerecht nach Kantonalen Bestimmungen und Vorschriften entsorgt werden.

 

Fluch oder Segen

Sind die Abklärungen im Eigenheim über die Vorkommnisse von Asbest resp. Silikat-Mineral abgeschlossen und bestätigt, müssen sich die Eigentümer weiteren wichtigen Fragen stellen. Hierzu lohnt es sich, Fachexperten zu kontaktieren. Sie werden anhand der Laborberichte beurteilen, ob eine Asbestsanierung erforderlich ist oder nicht. Dies trifft insbesondere bei Asbest in schwachgebundener oder reiner Form zu. In jedem Fall müssen die Vorkommnisse von asbesthaltiger Bausubstanz sofort mit dem Warnzeichen «ASBEST» gekennzeichnet werden. Auch dann, wenn keine unmittelbare Gefahr besteht. Erst nach einer Totalsanierung darf das Warnzeichen entfernt werden.

 

Das Wissen um Asbest lohnt sich. Asbestsanierte Liegenschaften erleiden keine Wertminderungen, Überraschungen oder Baustopps können vermieden werden, Erneuerungsarbeiten lassen sich besser einplanen und die Kosten für die Schutzmassnahmen und der Entsorgung können budgetiert und eingeplant werden.

 

Ansprechpartner

Mit grossem Know-how unterstützen wir Sie mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen und den richtigen Geräten. Für Beratungen oder Fragen kontaktieren Sie die Asbest- und Schadstoffexperten der asag.

 

Quelle: Suva

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