Mit der Zweitlehre als Einstieg in die GLB Emmental startete Jonas Schüpbach seine Maurer Karriere im August 2011. Schon früh war für ihn klar, nach der Lehre zum Landwirt kommt gleich die Zweitausbildung zum Maurer.
Beruf: Vorarbeiter Baumeister
Arbeitsort: GLB Emmental
Alter: 33 Jahre alt
Bei der GLB seit: August 2011
Jonas Schüpbach
Welches sind deine wichtigsten Eckpunkte in deinem bisherigen Berufsleben?
Lehrabschluss als Landwirt und Zusatzlehre zum Maurer sowie die Weiterbildung zum Bauvorarbeiter. Es war mir von Anfang an klar, dass ich zuerst Landwirt lernen will. Auch die Zweitausbildung zum Maurer war schon sehr früh klar. Ich liebe es zu betonieren. Danach habe ich auch viele Kurse besucht. Die waren sehr lehrreich, aber nicht so wegweisend, wie die beiden Lehrabschlüsse. Die Polierschule habe ich nicht in Angriff genommen, weil schon früh klar war, dass ich den Betrieb meiner Eltern mal übernehmen werde. Zudem konnte ich auch ohne Polierschule viel Verantwortung übernehmen. Das war natürlich schön.
Wie viel Büroarbeit gehört zu deinen Arbeiten?
Meistens ist schon vieles geklärt, da aus dem Büro der Projektleitung viel definiert wurde. Auf den grösseren Baustellen gibt’s dann schon mehr Büroarbeit: Es gibt wöchentliche Bausitzungen, manchmal treten Unvorhergesehenes auf, Entscheidungen müssen kurzfristig getroffen werden oder vor Ort zeigt sich, dass eine Lösung gemäss Plan nicht optimal ist. Gerade aus der Erfahrung heraus, kann so etwas gut erkannt werden. Pro Tag 15-30 Minuten. Ausser die Telefonanrufe werden noch dazugezählt, dann wären es schon pro Tag eine Stunde.
Warum hast du dich für diesen Werdegang entschieden und was hat dich motiviert?
Dass ich am Abend jeweils sehen konnte, was den ganzen Tag über erarbeitet wurde.
Wie viel Büroarbeit ist als Bauvorarbeiter notwendig?
Etwa eine halbe Stunde pro Tag. Also eher wenig. Es geht mehr darum, auf der Baustelle die Abläufe zu managen.
Bist du eine Art Bindeglied von der Baustelle zum Büro? Was magst du dabei am liebsten?
Absolut. Es geht darum, dass vom Planungsbüro geplante Projekt in die Tat umzusetzen. Am liebsten mag ich den Kontakt mit den Kunden und das Dabeisein an den Bausitzungen. So kann ich meine Erfahrung einbringen und dazu beitragen, dass die Baustelle erfolgreich geführt und abgeschlossen werden kann.
Wer in deinem Umfeld unterstützt dich besonders?
Mein Team und meine Familie sowie Freunde. Ohne Arbeitskollegen geht es auf dem Bau nicht vorwärts. Alleine auf der Baustelle ist als Maurer kaum etwas zu machen. Es fehlt dir immer eine Hand (lachend).
Was gefällt dir in deiner heutigen Funktion besonders?
Die Arbeit auf der Baustelle. Betonieren mache ich besonders gerne. Auch die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft ist meist sehr angenehm.
Wie ist es, wenn Bauherren mitarbeiten wollen?
Eine Zeit lang wollte ich lieber keine Laien auf der Baustelle. Je nach Arbeit ist es einfach schwierig jemanden mit einzubeziehen. Aber es gab auch Fälle, bei denen ohne die Mithilfe der Bauherr die Arbeiten viel länger gegangen wären. Hier ein Beispiel: Ich konnte dem Bauherren erklären, welche nächsten Arbeiten anstehen und wenn diese so gemacht würden, könnten wir am Montag beispielsweise dort weiterfahren. Bei dieser Baustelle war das einfach toll. Die Arbeiten wurden sauber und vollständig ausgeführt, sodass wir zackig vorwärts kamen. Viele der Bauherrenarbeiten beinhalten die Baustelle aufzuräumen und Kleinigkeiten vorzubereiten. Jedoch ist eines ganz klar: Für eine gute Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft braucht es eindeutig Menschenkenntnis (schmunzelnd).
Wie sieht ein typischer Berufsalltag aus bei dir?
Am Morgen im Büro die Baustellen besprechen. Dies jedoch nur zu Beginn der Woche oder des Umbauprojekts. Sonst treffen wir uns meist direkt auf der Baustelle und besprechen dort, was das Ziel vom Tag ist, wie das Bauprogramm aussieht und ob noch Materiallieferung anstehen oder weitere Gewerke auf der Baustelle sind. Rapporte kontrollieren und Einsätze planen vor dem Start auf der Baustelle. Mir gefällt es, wenn ich lange an einer Baustelle arbeiten kann. Trotzdem ist es dann auch wieder schön, einmal wieder einen Tapetenwechsel zu haben. Das längste war bisher sechs Monate auf derselben Baustelle.
Der Baupolier fungiert als Bindeglied zwischen Bauherrschaft und Büro. Die Bauherrschaft ist gerne auf der Baustelle oder helfen sogar mit. Da sind Gespräche wesentlich häufiger als mit dem Projektleiter im Büro.
«Ich kann beispielsweise auch etwas planen und meine Erfahrung einfliessen lassen. Gerade dazu dienen die Bausitzungen, an welchen Bauherrschaft, Projektleiter/Bauleiter und Vorarbeiter teilnehmen. So können offene Fragen oder Dinge, die aufgefallen sind, ändern.»
Jonas Schüpbach, Bauvorarbeiter GLB Emmental, Emmenmatt
Weshalb hast du dich dazu entschieden, Paxisbildner zu werden?
Das hat sich irgendwie so ergeben. Durch die Erfahrung und die Weiterbildungen, auch wenn es nur kleine waren, helfen dabei, den jungen Leuten das Handwerk des Maurers richtig zu zeigen und auf wichtige Details beim Arbeiten zu achten.
Hat sich die Ausbildung zu deiner Zeit im Vergleich zu heute wesentlich verändert? Wenn ja, wie?
Meiner Meinung nach hat sich das Niveau etwas gesenkt. Das ist nicht eine gute Entwicklung. Es braucht einfach wieder Leute, die gerne körperlich arbeiten und sehen wollen, was der ganze Tag errichtet wurde. Nur mit finanziellen Anreizen junge Leute ins Baugewerbe zu holen, ist nicht nachhaltig.
Wiederaufbau Bauernhaus Birchi: hast du ein paar Eindrücke aus Sicht der Baumeister?
Es gab wirklich viele Arbeiten, die kaum noch vorkommen. Wir konnten auch von Anfang an mitreden und durften unsere Meinung kundtun. Anna Kohler war daher sehr offen für Rückmeldungen. Das Sichtmauerwerk vor dem Keller ist schon sehr schön und speziell. Das macht heute wohl kaum noch jemand von uns, denn diese Art von Arbeiten kommt nur noch selten vor. Auch das Sichtmauerwerk des Stalls wird heute kaum mehr so gemacht. Das war schon eine schöne Arbeit. Ich habe das auch nur dieses eine Mal gesehen und mitgewirkt. Deshalb war das schon sehr speziell.
Gibt es ein Highlight während deiner bisherigen Karriere?
Ja, es gibt Baustellen, welche ich nie vergessen werde. Gerne zeige ich meinen Kindern auch, dass ich bei diesem oder jenem Bau mitgeholfen habe. Etwas Schönes ist auch, wenn wir schon bei bestehenden Kunden weitere Arbeiten machen können. Alle auf der Baustelle kennen sich noch von den vorherigen Projekten und die Stimmung ist dann immer sehr gut. Das zeigt doch auch, dass Vertrauen und die Zufriedenheit der Bauherrschaft mit unserer Arbeit.
Eine gute Stimmung auf der Baustelle sieht genau so aus.
Was ist dir im Berufsleben besonders wichtig?
Ein gut funktionierendes Team. Nicht aufgeben. Immer einen passenden Weg suchen und diesen dann gehen.
Hast du Tipps für andere, welche auch mitten im Berufsleben stehen?
Geht nicht, gibt’s nicht. Es ist strenge körperliche Arbeit auf dem Bau und der Durchhaltewillen ist schon etwas gesunken. Mein Tipp daher heisst: Dranbleiben ist eine gute Schule fürs Leben.
Es ist wichtig, dass wir den Lernenden aufzeigen, was wichtig im Berufsleben ist. Es geht darum, die jungen Leute auszubilden, welche auch in den Beruf passen und sich darin finden und entwickeln können. Der Spagat zwischen den knappen Bauprogrammen und der Zeit fürs Anleiten, Lernen und Praxisbilden auf dem Bau ist manchmal schon schwierig.
Alles rundum Landwirtschaft. Jonas erste Berufung.
Würdest du rückblickend etwas anders machen?
Nichts.
Was wünschst du dir für deine Zukunft im Berufs- und im Privatleben?
Gesundheit und viele tolle Projekte mit dem Team. Unfallfreie Baustellen und immer ein gutes Team dabei. Freude bei der Arbeit.
Hast du noch konkrete Ziele für die Zukunft (beruflich sowie privat)?
Es steht die Übernahme des bäuerlichen Betriebs der Eltern und Schwiegereltern auf dem Programm. Somit werde ich mein Arbeitspensum bei der GLB ziemlich reduzieren müssen.
Herzlichen Dank für diesen sehr authentischen Einblick in dein Beruf und dein Leben auf dem Bau. Wir wünschen dir für die kommende Übernahme der Landwirtschaftsbetriebe viel Glück und Erfolg und hoffen, dich noch lange im Baumeister Team zu haben. Auch wenn das heissen mag, nur noch in stark reduziertem Pensum.
