Regenwassernutzung im Haus

Doris Süssmilch Doris Süssmilch, 27. Aug. 2019

Sie überlegen sich einen Beitrag zur Schonung der natürlichen Ressourcen zu leisten? Wer Regenwasser im Haus nutzen will, sollte sich gut informieren. Alles Wissenswerte zur Nutzung von Regenwasser im Haus.

Unsere Wasserressourcen
Die Schweiz ist bezüglich Wasservorkommen im Vergleich zu anderen Ländern privilegiert. Diese Tatsache sollte jedoch nicht dazu verleiten, verschwenderisch mit Wasser umzugehen. Der sorgsame Umgang mit Wasser ist in der heutigen Zeit von grossem Interesse.

Trinkwasserverbrauch
Der gesamte Trinkwasserverbrauch pro Kopf ist in der Schweiz rückläufig. Trotz stetiger Bevölkerungszunahme hat er sich seit Ende der 90er Jahre um über 100 Liter pro Person und Tag verringert und beträgt heute noch gut 300 Liter. Im eigenen Haushalt werden aktuell lediglich 142 Liter pro Person benötigt. Zählt man den Wasserverbrauch am Arbeitsplatz, in der Freizeit und in den Ferien dazu, ergeben sich über die gesamte Bevölkerung gemittelt rund 163 Liter pro Person und Tag.

Diese Entwicklung ist auf die Verbreitung von Wasserspartechnik in den Haushalten zurückzuführen. Spül- und Waschmaschinen sind viel effizienter geworden und in Bad und Küche finden sich immer mehr wassersparende Armaturen.

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Bevor die Installation einer Regenwassernutzungsanlage ins Auge gefasst wird, sollte deshalb geprüft werden, ob nicht der Wasserverbrauch mit persönlichem und sparsamem Umgang mit Wasser und dem Einsatz moderner Technik noch weiter gesenkt werden kann. Dafür gibt es viele Möglichkeiten:

Individuelles Verhalten überdenken

  • duschen als baden
  • Wasch- und Geschirrspülmaschinen voll auslasten
  • Garten nicht mit Trinkwasser, sondern mit Wasser aus der Regentonne bewässern
  • Auto in der Waschanlage waschen

Wasserverluste vermeiden

  • Einbau wassersparender Armaturen und Haushaltsgeräten (Waschmaschinen, Toilettenspülungen)
  • undichte Armaturen und Toilettenspülungen ersetzen oder abdichten
  • Sanierung alter, undichter Wasserleitungen

In gewissen Anwendungsbereichen ist Trinkwasser nicht erforderlich – Regenwasser kann durchaus genügen.
In der Schweiz liefert die öffentliche Wasserversorgung Trinkwasser mit höchstem Reinheitsgrad. Trinkwasserqualität ist jedoch nicht für alle menschlichen Bedürfnisse unbedingt erforderlich.

Wie funktioniert die Regenwasseranlage?
Das Dach dient in der Regel als Sammelfläche und das Regenwasser gelangt über die Regenrinne in einen Speicher, der als Vorratstank dient. Mit einer Pumpe wird das Regenwasser über ein vom Trinkwasser getrenntes Rohrsystem zur Toilettenspülung und zur Waschmaschine gebracht oder für Gartenbewässerung bereitgestellt.

Regenwasseranlage

Regenwasser ist nicht Trinkwasser
Die strikte Trennung von Regenwasser und Trinkwasser ist unbedingt nötig. Das Regenwasser kann auf den Dächern mikrobiologische und chemische Verunreinigung wie Bakterien, Viren, Wurmeier oder Schwermetall aufnehmen und darf deshalb keinesfalls durch Rückfluss ins Trinkwasser gelangen. Der kritische Punkt jeder Regenwassernutzungsanlage liegt im Bereich der Nachspeisung mit Trinkwasser.

In längeren Trockenperioden brauchen auch Regenwassernutzende Trinkwasser für die Toilettenspülung. Deshalb ist eine Koppelungsstelle erforderlich, die Trinkwasser ins Regenwassersystem einspeisen kann. Dabei kann es bei  unsachgemässer Ausführung oder Wartung zu einer Vermischung von sauberem Trinkwasser mit Regenwasser kommen, zum Beispiel wenn Regenwasser in den Trinkwasserkreislauf einfliesst. Dies muss mit moderner Technik (Rückströmsicherung) unbedingt vermieden werden.

Die Regenwassernutzungsanlagen dürfen nur von Fachleuten nach den anerkannten Normen installiert werden und erfordern eine regelmässige Kontrolle.

Wirtschaftlichkeit und Rentabilität
In der Schweiz sind alle Liegenschaften an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Eine  Regenwassernutzungsanlage dient als zusätzliche Versorgung der Liegenschaft mit Regenwasser für die Toilettenspülung, den Waschautomaten und die Gartenbewässerung. Bei einem Einfamilienhaus werden die zusätzlichen Anschaffungs- und Einbaukosten auf rund 10’000 Franken und die jährlich anfallenden Kosten für Strom, Wartung und Reparaturen auf etwa 300 Franken geschätzt.

Für Regenwassernutzende bezüglich Wirtschaftlichkeit wichtig:

  • Durch den verminderten Trinkwasserbedarf werden Wassergebühren gespart.
  • Je nach Tarifordnung lassen sich Abwassergebühren sparen.
  • Es entstehen Investitionskosten für das Regenwassersystem, es braucht mehr Pumpenergie, und es muss mit einer mittleren Amortisationsdauer von 10 bis 20 Jahren gerechnet werden.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis
Je mehr Geräte von einer Regenwassernutzungsanlage mit Brauchwasser versorgt werden, desto günstiger ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Die Nutzung von Regenwasser kann hier sinnvoll sein:

  • Betrieb vieler Toiletten, z.B. in Bürogebäuden oder Spitälern
  • Waschen in Gegenden mit hoher Wasserhärte, evtl. zusammen mit der Toilettenspülung sogar im Einfamilienhaus 
  • Reinigung von Tierställen (insbesondere grosse Anlagen)
  • grosse Klimaanlagen mit Kühltürmen
  • Autowaschanlagen und Abspritzplätze für Lastwagen
Die wichtigsten Entscheidungsfaktoren
  • Für die Versorgung  sind Regenwassernutzungsanlagen in der Schweiz im Allgemeinen nicht notwendig.
  • Wer eine Anlage realisiert, will einen Beitrag zur Schonung der Trinkwasserressourcen leisten.
  • Ob diese Zielsetzung aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, hängt von verschiedenen orts- und objektspezifischen Faktoren ab (siehe Checkliste).
  • Der Einbau Wasser sparender Armaturen und Geräte sowie entsprechendes Verhalten reduziert den Wasserverbrauch erheblich.
  • Um das Risiko einer hygienischen Beeinträchtigung zu vermeiden, müssen Installationen durch den Fachmann vorgenommen werden. Eine regelmässige Kontrolle und Wartung der Anlagen ist unabdingbar.
  • Der Aufwand für Installation und Betrieb ist bei kleineren Bauvorhaben wie Einfamilienhäusern eher hoch.
  • Bei grösseren Anlagen, insbesondere wenn das Regenwasser auch zu gewerblichen oder industriellen Zwecken genutzt wird, kann sich eine Regenwassernutzungsanlage lohnen.
  • Da die Wassertarifsysteme in Bewegung sind, ist eine langfristige Abschätzung der Kosten-Nutzen-Verhältnisse schwierig.

Jetzt offizielle Broschüre zum Thema Regenwassernutzung downloaden

Quellen: BAFU und  BUWAL, Bern / SVGW 

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