Wasser als wichtigstes Gut – Stephan Bachmann im Interview

Die Arbeiten als Sanitärinstallateur haben meist einen negativen Ruf. Jedoch ist dieser Beruf einer der wichtigsten im ganzen Land. Ohne funktionierende sanitäre Anlagen könnten wir den Lebensstandard von heute nicht pflegen. 

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Sanitärinstallateur Stephan Bachmann im Interview über Berufsstolz, Teamgeist, Wasser als wichtigstes Gut und darüber, wie eine Laufbahn auch ohne klassische Meilensteine genau richtig sein kann.

 

 

Welche Eckpunkte haben dein bisheriges Berufsleben besonders geprägt?

Meine Eckpunkte sind wahrscheinlich eher untypisch, weil ich keine grossen Weiterbildungen absolviert habe, die sonst oft als Meilensteine gelten. Dafür ist meine langjährige Zeit bei der GLB umso prägender. Ich habe den Standortwechsel von Uetendorf ins Gwatt miterlebt und über die Jahre auch Personalwechsel. Was mich besonders freut: Unser Kernteam ist im Wesentlichen zusammengeblieben und das ist nicht selbstverständlich.

 

Warum hast du dich für diesen Werdegang entschieden und was hat dich motiviert?

Das war ehrlich gesagt eher ein Zufallsprodukt (lacht). Ich bin als Bauernjunge aufgewachsen, habe zuerst eine zweijährige Lehre als Landwirt gemacht und danach die Rekrutenschule besucht. Als dann klar war, dass mein Bruder den elterlichen Hof übernimmt, habe ich mich neu orientiert. Durch einen Kollegen kam ich als Hilfsarbeiter zur GLB und arbeitete in den Bereichen Sanitär, Elektro und Heizung mit. Nach einiger Zeit entschied ich mich für die Lehre als Sanitärinstallateur. Mir war immer wichtig, ein gutes Fundament zu haben und das habe ich mir mit dem Lehrabschluss aufgebaut.

 

Gab es Hürden, die besonders herausfordernd waren?

Es waren eher einzelne Situationen als grosse Hürden. Gut in Erinnerung ist mir eine grössere Baustelle, bei der ich für rund zehn Leute zuständig war. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen zusammen, aber für so viele gleichzeitig verantwortlich zu sein, hat mich mental stark gefordert. Im Nachhinein war es trotzdem eine wertvolle Erfahrung – heute weiss ich, dass ich das kann, wenn es nötig ist.

 

Was gefällt dir an deiner heutigen Funktion besonders?

Ich schätze das selbständige Arbeiten und die Freiheiten, die ich habe. Ausserdem mag ich die Vielseitigkeit: Man muss agil bleiben, weil es laufend neue Methoden, Werkzeuge und Materialien gibt. Diese Entwicklungen finde ich spannend – so bleibt man flexibel und interessiert. Und ich sehe durch die Arbeit viele Orte, die ich sonst nie kennenlernen würde. Es gibt Tage, da bin ich an fünf verschiedenen Standorten im Einsatz.

 

Welches Highlight ist dir in deiner bisherigen Karriere besonders geblieben?

Da gibt es einige. Ein Highlight sind für mich besondere Badprojekte. Heute werden Badezimmer immer häufiger wie kleine Wellness-Oasen gebaut. Ein Beispiel war eine Baustelle, bei der wir bereits im Rohbau dabei waren und später die Endmontage machten. Am Schluss stand dort eine Eierschalenbadewanne auf schwarzem Plättliboden – dazu eine Regendusche. Solche Projekte haben wir mindestens einmal im Jahr.

 

Ein ganz anderes Highlight war die Wasserversorgung in Zimmerwald, um die Jahrtausendwende. Dort wurden rund vier Kilometer Leitungsnetz verlegt, Hydranten angeschlossen und Hausanschlüsse erneuert. Ich weiss heute noch genau, wo wir die Leitungen eingebettet haben.

 

Was ist dir im Berufsleben besonders wichtig?

Eine saubere Arbeitsvorbereitung. Gute Planung ist wirklich die halbe Miete. Natürlich gibt es Punkte, die man erst vor Ort mit der Kundschaft definitiv klärt – das mache ich auch gerne. Aber exakte Pläne und vorab geklärte Fragen helfen enorm.

Wichtig sind mir auch die richtigen Hilfsmittel und das passende Werkzeug. Und ganz zentral: ein gutes Team und der richtige Umgang miteinander. Bei uns klappt das sehr gut. Dass das Kernteam seit rund 20 Jahren ziemlich konstant ist, bedeutet viel – denn Leistung kommt auch dann, wenn man sich wohlfühlt.

 

Wie schaffst du eine gute Work-Life-Balance?

Den Ausgleich hole ich mir im Privatleben: Familie, Kinder, Hobbys und Kollegen. Schon die Heimfahrt hilft mir beim Abschalten. Wenn ich zu Hause ankomme, ist Familienzeit.

 

Ich habe vor einer Weile mit meinem Sohn die Fischerprüfung gemacht – wir haben uns bisher zu wenig Zeit fürs Fischen genommen, das möchten wir nächstes Jahr ändern. Im Winter spiele ich Eishockey. Und als Familie sind wir oft draussen in der Natur, besonders bei sonnigem Wetter.

 

Würdest du rückblickend etwas anders machen?

Nein (lacht). Ich bin wirklich rundum zufrieden und wüsste nicht, was ich ändern sollte.

 

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Welche Tipps gibst du angehenden Berufsleuten mit auf den Weg?

Spannende Frage – mein Sohn ist im ersten Lehrjahr als Hochbauzeichner, deshalb beschäftigt uns das Thema auch zuhause. Heute gibt es viel mehr Berufsmöglichkeiten als früher. Ich finde es wichtig, in verschiedene Berufe hineinzusehen. Schnuppern eignet sich dafür sehr gut.

 

Mein Sohn war auch schon bei der GLB und hat sich unterschiedliche Berufe angeschaut. Und nachdem er zusätzlich den kaufmännischen Bereich gesehen hatte, wurde klar: Es soll etwas im Büro sein, aber trotzdem mit Bezug zur Baubranche.

Wichtig ist, dass man die eigenen Stärken einsetzen kann – dann macht die Arbeit auch Freude. Und dass Eltern die Kinder unterstützen und ihnen zeigen, dass es sich lohnt, durchzubeissen und etwas zu Ende zu bringen. Die Lehrzeit ist eine gute Phase, um viel zu lernen – das hilft später enorm. Persönlich ist mir das Wohlsein und die Freude an der Arbeit wichtiger als nur der finanzielle Teil.

 

Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag aus?

Ich bin um sieben Uhr im Magazin oder im Büro und nehme die Aufträge entgegen. Je nach Umfang besprechen wir sie kurz. Danach wird alles bereitgestellt und sobald das Material komplett ist, geht’s auf die Baustellen.

 

Am Abend komme ich zurück, räume auf und entsorge Material. Wenn ich den nächsten Auftrag schon kenne, rüste ich teilweise bereits vor. Es gibt einen regen Austausch mit dem Büro und mit der Kundschaft – darum ist eine gute Zusammenarbeit im Team sehr wichtig. Und dazu gehört auch mal ein Feierabend-Bier oder ein Teamausflug.

 

Viele Jahre beim selben Arbeitgeber, wie gelingt das?

Vor allem wegen des Teams. Es hat über die Jahre einfach meistens gepasst. Ich habe die Arbeit bei der GLB immer als dürfen betrachtet. Mit der Zeit kam mehr Verantwortung dazu und auch spannende Aufgaben – das gibt Mut und Freude.

Ich finde es zudem schön, dass die Zusammenarbeit überregional ist. Dadurch lernt man viele Leute kennen und bleibt im Austausch.

 

Hast du in diesem Job deine Berufung gefunden?

Ja, das kann ich so sagen. Natürlich gibt es auch schwierige Phasen, aber das Positive überwiegt klar. Ein Wechsel ist für mich kein Thema.

 

Was macht den Beruf als Sanitärinstallateur aus – was wird oft unterschätzt?

Wenn man sagt, man arbeitet als Sanitärinstallateur, kommt oft als Reaktion: «Ah, WC und Abwasser.» Das ist aber nur ein kleiner Teil.

 

Wir arbeiten mit dem wichtigsten Gut überhaupt: Wasser. Unsere Aufgabe ist es, Wasser zuverlässig ins Haus zu führen, es im ganzen Haus zu verteilen und sicherzustellen, dass es auch wieder korrekt abfliesst. Das ist essenziell – und die Arbeit muss langlebig sein. Darauf bin ich stolz. Und man spürt auch viel Wertschätzung von der Kundschaft, weil Wasser im Alltag einfach unverzichtbar ist.

 

Welche Ziele hast du beruflich oder privat noch vor dir?

«Bau e chlei ziulos» (lacht). Konkrete Ziele setze ich mir nicht viele. Aber ich besuche sehr gerne Kurse – mir ist wichtig, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Persönlich wünsche ich mir vor allem Gesundheit, dass ich gut arbeiten kann, und dass ich offen für Neues bleibe. Am Anfang fiel mir das teilweise schwerer, aber ich habe mich dafür geöffnet und möchte mir diese Agilität erhalten.

 

 

Herzlichen Dank Stepahn für den Einblick in dein Wirken bei der GLB.